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Souchy [1892-1984], neben Rudolf Rocker einer der bekanntesten Vertreter der FAUD [Freie Arbeiter Union Deutschlands], begab sich von April bis Oktober 1920 auf eine Studienreise ins revolutionäre Rußland. Er reiste nach Petrograd, Moskau und Kiew, besuchte Kropotkin und traf die Parteiführer Kamenjew, Sinowjew und den späteren Kritiker der Bolschwewiki Victor Serge. Im Januar 1921 erschien im Verlag »Der Syndikalist« sein Buch »Wie lebt der Arbeiter und Bauer in Rußland und in der Ukraine«, in dem er ahnungsvoll die Zukunft der Sowjetunion beschreibt. [Buchvorstellung mit Diskussion].
Ernst Fuhrmann [19.11.1896 - 28.11.1956], Dichter, Schöpfer einer komplexen Öko-Philosophie, die er Biosophie nannte. Er gab vier Zeitschriften heraus, derer einziger Autor er selbst war. 1931 schrieb er für die von Franz Jung herausgegebene linksradikale Zeitschrift »Gegner«. Sein Roman »Der Geächtete« beschreibt einen ›Aussteiger‹, der, um ein letztes großes Zeichen zu setzen, beschließt, den Papst im Vatikan in die Luft zu sprengen [Karin Kramer Verlag 1983]. [Lesung und Diskussion]
Am Morgen des 11. November 1950 wird der Berliner Journalist Alfred Weiland von Agenten der sowjetischen Staatssicherheit aus den Westsektoren in den sowjetischen Sektor verschleppt. Das Buch schildert die politische Biographie dieses Journalisten, ist aber zugleich ein Beitrag zur Besatzungsgeschichte Berlins. Im Mittelpunkt stehen dabei die Jahre 1945 bis 1950, als Weiland versuchte, eine Sammlungsbewegung freiheitlicher Sozialisten zu schaffen und mit den »Gruppen Internationaler Sozialisten« eine der ersten antibolschewistischen Widerstandsorganisationen in Berlin und der SBZ aufbaute. Im Visier von SED-Abwehr und sowjetischer Staatssicherheit war ein Verharren zwischen den Fronten nicht möglich. Weiland entschied sich für den Westen und nahm mit den Amerikanern Kontakt auf. [Buchvorstellung durch den Autor].
Bruno Wille [1860-1928] war Sprecher der »Jungen« - des anarchistischen Flügels der Sozialdemokratie vor 1900. Nach einer Konfrontation mit August Bebel, der die Unterordnung des Individuums unter den historischen Auftrag der Arbeiterklasse verlangte, schloss man ihn aus der Partei aus. Er wurde einer der wichtigsten Vertreter der Berliner Boheme - des Friedrichshagener Dichterkreises - und war Mitbegründer der Volksbühne Berlin. Er setzte sich auseinander mit der psychischen, pädagogischen und religiösen Autorität, der absoluten Gewaltlosigkeit, wirtschaftlicher Ausbeutung und Staatsgewalt, Moral, Knechtschaft und der Parteienherrschaft. [Vortrag mit Diskussion]
»Planungszellen« sind Gruppen zufällig ausgewählter Bürger und Bürgerinnen, die einige Tage lang ein öffentliches Problem bearbeiten und ihre Ergebnisse in einem »Bürgergutachten« mitteilen. Obwohl in den letzten 25 Jahren Dutzende von solchen Gutachten zu allen möglichen Themen [wie Stadtplanung, Wohnungswesen, Verkehr, Umwelt-, Medien-, Gesundheitspolitik u.a.], erstellt worden sind, ist diese Idee weitgehend unbekannt geblieben. Der Vortrag [mit Diskussion] stellt das Konzept vor, auch im Vergleich mit anderen ähnlichen Projekten, und versucht, sein libertäres Potential auszuloten.
Alltag ist zuviel, Anarchie zu wenig - oder umgekehrt? Fünf Kurzbeiträge [mit Diskussion] sollen Licht und Schatten auf ein Thema werfen, das alle betrifft: die Vereinbarung von Ideal und Wirklichkeit.
Mackay wurde Dichter, Schriftsteller, Anarchist und Sänger der Anarchie genannt. Er war Biograph von Max Stirner, stammte aus Schottland, lebte aber in Berlin, wo er am 16. Mai 1933 verstarb. Anläßlich seines 70. Todestages wollen wir an ihn erinnern und sein Leben und Werk würdigen. Nicht nur aufgrund seiner vertonten Lieder wie »Auf hebe die funkelnde Schale« und seines künstlerischen Werks, sondern auch aufgrund seiner politischen Bücher gehört er zu jenen Denkern, die für unsere Zeit eine bleibende Bedeutung besitzen. [Vortrag und Diskussion]
Hierarchien machen das Leben [scheinbar] einfach. Man weiß, was zu tun ist, also immer das, was andere entscheiden. Das runduminformierte Ich wird des eigenen Tuns enthoben, wird von Entwicklungen abgehängt, holt sich über Abendnachrichten die Botschaft, die andere gestalten, verlautbaren, diktieren. Was getan werden soll, bestimmen Regierungen, UnternehmerInnen, Vereinsvorsitzende, die alltäglichen Hartz-Kommissionen. Daß Hierarchien, auch wenn sie im Zeichen der Repräsentativen Demokratie fernsehgerecht - also nahezu geruchlos - funktionieren, unmenschlich und antidemokratisch sind, davon ist in den neuen Publikationen der beiden Blackbox-Autoren Halfbrodt und Burnicki die Rede. In ihrer Lesung begegnen sich - nur auf den ersten Blick ungewöhnlich - politische Lyrik und politische Wissenschaft. Gemeinsames Thema ist die Suche nach Möglichkeiten, eine herrschaftslose Gesellschaft zu begründen. [Lesung und Diskussion]
Die Beziehungen zwischen Gustav Landauer [1870-1919] und Martin Buber [1878-1965] werden meist aus religiöser oder philosophischer Sicht behandelt - während ihr gemeinsames Bemühen um einen kommunitären Anarchismus und libertär inspirierte Gemeinschaftsformen oft in Vergessenheit gerät. Die lebenslange Freundschaft von Landauer und Buber nahm ihren Anfang als beide in der Zeit von der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert auf der Suche nach neuen freiheitlichen und gemeinschaftlichen Konzepten waren. Im Vortrag von Thorsten Hinz wird die Frage diskutiert, welche Rolle dabei die anarchische Utopie spielte und wie diese von beiden Denkern verstanden wurde. Buber »Sozialismus kann nie etwas Absolutes sein ... Allem Verwirklichtem droht die Erstarrung, das heute glühend Lebendige kann morgen verkrusten ...« [Vortrag und Diskussion]
Janet Biehl, Historikerin und Lebensgefährtin von Murray Bookchin, befasst sich in ihrem Buch »Der libertäre Kommunalismus« mit den Themen: Die kommunale Demokratie in der Geschichte von der Antike bis heute - Politik von unten, föderativ, freiheitlich-sozialistisch contra Staats- und Kapitalinteressen - Lokalismus und Interdependenzen. Die Kommunalisierung der Wirtschaft - Von der dualen Macht, ein langer, mühsamer Weg zur sozialen Ökologie. [Referat mit Schaubildern und Diskussion]
Villon [15. Jahrhundert] hat eine geharnischte Zeitkritik angebracht sowie saftige, deftige Poesie verströmt. Paul Zech hat dies durch expressionistische Stilmittel verstärkt. [Lesung mit gelegentlichen Erläuterungen]