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Liebe ist der Einbruch des Wunderbaren, des Unvorhergesehenen in das Regelwerk des Alltags, gespeist aus einem Funken der Begierde zwischen zwei Menschen, die nur ein Ziel kennen, ihrer Lust zu folgen und ihr Dauer zu verschaffen. In dieser Unbedingtheit der Liebe, die alles zu überwinden sucht, was sich ihr in den Weg stellt, liegt ihr subversives Potential. Die unbedingt freie Liebe schafft sich Freiräume, die die gesellschaftlich sanktionierten Zwangsmechanismen der Herrschaft des Menschen über den Menschen auflösen. Die unbewußten Bestrebungen der freien Liebe verbindet ein untergründiges Band mit den bewußten Denk- und Handlungsweisen der Anarchie und der von ihr angestrebten herrschaftslosen Gesellschaft. [Stellungnahmen und Diskussion]
Können regionale Struktureinheiten wie Nationalstaaten oder Staatenbünde Schutz bieten vor der Globalisierung? Oder welche alternativen Handlungsmöglichkeiten hat die Gesellschaft, der kapitalistischen Fremdbestimmung entgegenzutreten? [Vortrag und Diskussion]
»Freie Bürger fragen doch nicht, ob es erwollt ist, was ihnen zusteht - oder? Wozu haben wir denn unsere Freiheit!« Ein anarchistisches Credo, das selbst intergalaktische Versuche einer herrschaftlichen Inanspruchnahme ins Leere laufen läßt. »Der Klassiker unter den libertären Science-Fiction-Büchern. Und eines der amüsantesten Romane zum Thema Gewaltfreiheit« [espero]. [Lesung und Diskussion]
Der Lebensweg von Zenzl Mühsam, Frau des Anarchisten und Schriftstellers Erich Mühsam, gleicht einer Odyssee: von der Flucht aus Deutschland nach dem Tod ihres Mannes, über das Leben im Russischen Gulag, bis zu ihrer politischen Verfolgung durch DDR-Funktionäre. An den Editionen aus Mühsams Nachlass war sie entscheidend beteiligt. Uschi Otten ist Historikerin, Regisseurin und freischaffende Autorin und hat sich auf die Erforschung des Lebens von Zenzl Mühsam spezialisiert. Eine Gemeinschaftsveranstaltung mit der Frauengruppe »Las Loccas«. Im Anschluss Livemusik mit »Fromage Diatonique«.
Eine Gesellschaft ohne Staat, wie geht denn das konkret? Der australische Philosoph John Burnheim hatte hierzu einen Vorschlag: In seinem Werk »Is Democracy possible?« von 1985 [dt. »Über Demokratie«, 1987] zeigte er detailliert, wie »ein Gemeinwesen ohne jede staatliche Zentralverwaltung auskommt«; er begründete aber auch, wozu das gut sein soll. Sein pragmatischer und experimenteller Ansatz fand im Spätsozialismus der 80er Jahre wenig Beachtung, dennoch lohnt es sich, Burnheims ungewöhnlich originelle Ideen neu zu würdigen und in einen anarchistischen Kontext zu stellen. [Vortrag und Diskussion]
Der Vortrag geht den historischen Wurzeln des Anarchosyndikalismus in Deutschland nach und skizziert den aktuellen Forschungsstand. Thematisiert werden außerdem die Beziehungen der syndikalistischen Bewegung zum Anarchismus, die sozialen Strukturen der Freien Arbeiter-Union Deutschlands [Anarcho-Syndikalisten], die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die zu ihren Organisationserfolgen beitrugen, sowie die Gründe, die für den Niedergang des Anarchosyndikalismus in Deutschland verantwortlich sind. [Vortrag und Diskussion]
Der Ausdruck individualistischer Anarchismus bezeichnet ein im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts entstandenes Konzept einer zukünftigen Gesellschaft, in der die Freiheit jedes Individuums [von äußerem Zwang] den höchsten Wert darstellt und soweit wie möglich gewährleistet sein soll, d.h. nur in dem Maße eingeschränkt ist, das sich daraus ergibt, dass alle Individuen gleichermaßen über diese Freiheit verfügen. [Vortrag und Diskussion]
Pierre-Joseph Proudhon [1809-1865] war einer der ersten unter den Vertretern des Sozialismus, der das Schlagwort »Anarchie« aufgriff und weiterverbreitete. Mit dem Satz »Eigentum ist Diebstahl« verwarf Proudhon die bürgerlich-kapitalistische Eigentumsordnung und propagierte eine Sozialverfassung der »gegenseitigen Hilfe« [Mutualismus]. Durch das von ihm ersonnene Tauschbankensystem sollten ein die Wirtschaft belebender Warentausch sowie verbesserte Zugangsmöglichkeiten zu Krediten sichergestellt werden. Nach anfänglich positivem Verhältnis zu Marx gerieten die beiden zueinander in gravierende inhaltliche Gegensätze. [Vortrag und Diskussion]
Prévert (1900-1977), Chansondichter, Drehbuchautor, Dramatiker und Collage-Künstler, gehörte zu den populärsten französischen Dichtern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In seinem vielschichtigen Werk, beständig durchsetzt mit subversivem Humor, hat er eine fundamentale Revolte gegen die Finsternis der spätbürgerlichen Welt zum Ausdruck gebracht. Sein poetisches Werk ist ein humorvoll-sarkastischer Rundumschlag auf alle den Machterhalt der repressiven bürgerlich-kapitalistischen Ordnung dienenden »Werte« wie Religion, Patriotismus, lustfeindliche Arbeitsmoral und sonstige Auswüchse der herrschenden Sklavenmoral. Dieser von ihm als Todeskultur denunzierten Zivilisation stellte er seinen »Skandal des Glücks« entgegen, ein Bekenntnis zu einem befreiten, lustvollen Leben allen gesellschaftlichen Widrigkeiten zum Trotz. (Vortrag und Diskussion)
Neben der sogenannten Studentenrevolte entstand in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre jenseits der Universitäten eine Jugendbewegung, deren Buntheit, Lautheit und Vielfältigkeit in Westberlin bald nicht mehr zu übersehen war. In dem von Bernd Kramer herausgegebenen Buch werden charakteristische Dokumente, Flugblätter und Pamphlete dieser kulturrevolutionären Jugendbewegung veröffentlicht, aus der sich der Anarchismus neu entwickelte. [Buchvorstellung durch den Herausgeber]
Psychiatrische Grausamkeiten werden im allgemeinen mit der Fürsorgepflicht des Staates legitimiert. Strafmaßnahmen - heißt es - seien nur zum Besten des Bestraften, weil er ja selbst nicht mehr entscheiden könne, was gut für ihn ist. Damit werden Personen mit abweichendem Verhalten, ungewöhnlichen Gedanken- und Gefühlsäußerungen willkürlich internierbar und, einmal eingesperrt, Zwangsbehandlungen unterzogen. [Vortrag und Diskussion]