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Rückblick auf die Veranstaltungen der Bibliothek der Freien im Jahr 2008

5. Dezember 2008

Schwarze Perlen
Leidenschaftliche Plädoyers für den Anarchismus

Perle

Welche Libertären haben uns am meisten beeinflusst, welche Texte haben uns geprägt, wessen Ideen sind noch immer aktuell? In mehreren Beiträgen werden prägnante Zeugnisse der anarchistischen Ideengeschichte zur Diskussion gestellt, die nur ein Ziel haben: Einsprüche gegen die Anmaßung der herrschenden Verhältnisse zu sein. (Lesungen mit Diskussion)

7. November 2008

Uwe Timm:
Erinnerungen eines unbequemen Libertären.

Vorstellung einer Neuerscheinung
Uwe Timm - Verlorene Kindheit Errungene Freiheit

In seiner Autobiografie »Verlorene Kindheit - Errungene Freiheit« zieht Uwe Timm (* 1932) eine Lebensbilanz, umreißt die Grundlagen seines Anarchismus und gibt Denkanstöße für eine libertäre Offensive. Nach seiner schweren Kindheit in der NS-Zeit schildert Timm seine ersten Kontakte mit anarchistischen Ideen in der frühen Nachkriegszeit, das konfliktreiche Zusammentreffen von alten und jungen Libertären nach 1968, die marxistische Indoktrination des Neoanarchismus, aber auch Um- und Irrwege heutiger Libertärer. Als Konstrukteur im Anlagenbereich eines Industrieunternehmens, Betriebsrat, Querdenker und Individual-Anarchist ist Timm mit vielen Millieus vertraut und tritt dementsprechend für einen pluralistischen Anarchismus ein: »Es wird kaum möglich sein, alle Menschen für eine libertäre Gesellschaft zu gewinnen, weshalb die Formel 'Alles oder Nichts' immer in eine Isolation führt. Vielmehr ist darauf zu setzen, freiheitlichen Menschen Alternativen einzuräumen. Privat- oder Kollektiveigentum, sozialistischer oder liberaler 'weltanschaulicher Unterbau' - das ist gleichgültig. Entscheidend ist nur eine gemeinsame Erkenntnis: Wer Menschen daran hindert, ihr eigenes Leben zu leben, selbstbestimmt als Individuum oder in Gruppen, Gesellschaften, Genossenschaften, Betrieben, wie auch immer diese sich organisieren, der handelt als Aggressor.« (Buchvorstellung durch den Autor)

Uwe Timm: Verlorene Kindheit - Errungene Freiheit. Biografie eines unbequemen Libertären. Oppo-Verlag, Berlin 2007. 206 S., 19 EUR, ISBN 978-3-926880-17-8

10. Oktober 2008

Werner Portmann:
Skeptizismus und Anarchismus: Max und Siegfried Nacht

Vorstellung einer Neuerscheinung
Werner Portmann: Skeptizismus und Anarchismus: Max und Siegfried Nacht

Max Nacht (alias Nomad, 1881-1973) und sein Bruder Siegfried (alias Arnold Roller, 1878-1956) haben zu Lebzeiten immer wieder Staub aufgewirbelt: Max' kritischer Jubiläumstext zum 80. Geburtstag Rudolf Rockers ärgerte den Gefeierten dermassen, dass auf seine Intervention hin der Text erst 9 Jahre später in gedruckter Form erschien. Seine Artikel und öffentlichen Reden zum Anarchismus, dass dieser nicht viel radikaler sei als die Sozialdemokratie, veranlassten Pierre Ramus mit ihm in einem Zeitungsartikel als anarchistischem Konvertiten bitterböse abzurechnen. Er entwickelte eine eigene Ideologie der gesellschaftlichen Umwälzung ("skeptischer Anarchismus") und beteiligte sich noch im hohen Alter als Publizist in den USA an den Diskussionen um den im Zuge von 1968 wieder entdeckten Anarchismus.

Max' Bruder Siegfried war einst als Königsmörder verhaftet worden, redigierte Broschüren mit Titeln wie 'Der soziale Generalstreik' oder 'Die direkte Aktion', die Welterfolge waren, in mehr als 17 Sprachen veröffentlicht wurden und nach 1968 erneut Grossauflagen verzeichneten. Er berichtete als erster im deutschsprachigen Raum von der grossen anarchistischen Bewegung Spaniens und verbreitete die Idee des revolutionären Syndikalismus und des Generalstreiks. Bei der politischen Polizei Europas galt er als klügster Kopf des Anarchismus. Zusammen mit Rocker, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband, gehörte er zu den wenigen VordenkerInnen des Anarchosyndikalismus im deutschen Sprachraum.

Über das fast vergessene "schöne Brüderpaar" ist jetzt die erste Biographie erschienen. In seiner Buchvorstellung (mit Diskussion) geht der Autor Werner Portmann auch der Frage nach, ob die beiden mehr als nur interessante historische Figuren sind und welche Relevanz ihre Ideen für den heutigen Anarchismus haben können.

Werner Portmann: Die wilden Schafe. Max und Siegfried Nacht. Zwei radikale, jüdische Existenzen. Unrast Verlag, Münster 2008. 176 S. ISBN-13: 978-3-89771-455-7

5. September 2008

Anarchismus. Eine Einführung

Beiträge im Wortlaut: Anarchismus. Eine Einführung
Emanzipation

»Die Gesellschaft kann sich nicht selbst regieren«, behaupten alle Archisten. Wir versuchen die Funktionalität anarchistischer Gesellschaftsentwürfe anhand folgender Themen aufzuzeigen: Anarchismus und Kultur, Parlamentarismuskritik, Gewaltfrage, Organisationstheorie, aktuelle Anwendungen in der Gegenwart. (Kurzreferate und Diskussion)

6. Juni 2008

Tönende Freiheit

Ein Versuch zum Thema Anarchie und Musik
Referat im Wortlaut: Tönende Freiheit. Ein Versuch zum Thema Anarchie und Musik
Stummes Lied oder Der indignierte Virtuose

Gibt es eigentlich eine genuin anarchistische Musik? und wenn ja wie hört sie sich an? Oder ist der Anarchismus als antihierarchische, sozialrevolutionäre Idee doch von den streng mathematischen Strukturen der Kunstgattung Musik soweit entfernt, daß eine wirkliche Verschmelzung zwischen beiden Welten unmöglich erscheint? Bleibt somit der Musik auch im Anarchismus wie in allen anderen gesellschaftlichen Systemen, nur eine untergeordnete, gerüstartig - unterstützende Rolle zum Transport ideologisch relevanter Inhalte zugedacht, wie wir sie alle aus den sattsam bekannten Liedern vom spanischem Bürgerkrieg bis zu den Rocksongs der Band »Ton, Steine, Scherben« her kennen? Der Anarchismus war und ist von Anfang an ein großes Versprechen auf Freiheit in allen Bereichen des menschlichen Lebens. Ebenso gibt es in verschiedenen Erscheinungsformen der neueren Musik, Bestrebungen nach Befreiung und Entgrenzung die von der »klassischen Avantgarde« über Free Jazz oder psychedelic Rock bis hin zu Industrial und anderen Formen der »konsequenten« Musik reichen.

In wie weit diese musikalischen Undergroundphänomene anarchistisches Potential besitzen, sei es inhaltlich, organisatorisch oder gar musikalisch soll in diesem Vortrag behandelt werden, wobei die oben genannte Frage bis zum Schluß offen bleibt.

9. Mai 2008

Gabriel Kuhn: Seattle und die Folgen

»Neuer Anarchismus« in den USA
Kuhn Neuer Anarchismus In Den USA

Die Proteste gegen das Treffen der Welthandelsorganisation in Seattle 1999 übten wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung gegenwärtiger US-amerikanischer Widerstandskultur aus. Ein bemerkenswerter Aspekt dieser Entwicklung ist das Wiedererstarken einer anarchistischen Bewegung, die heute zu einem großen Teil die politische Dissidenz des Landes definiert. Der vorliegende Band präsentiert diese Bewegung anhand neunzehn individuell eingeleiteter und kommentierter Texte. Die Texte verbinden die Präsentation einflussreicher AutorInnen (Lorenzo Komboa Ervin, David Graeber, John Zerzan, Starhawk, Ward Churchill), Kollektive (CrimethInc., NEFAC, ALF/ELF) und Konzepte (Black Anarchism, Primitivismus, post-linke Anarchie, Postanarchismus, Freeganism) mit Darstellungen anarchistischer Alltagskultur (Evasion, Sascha Scatters Nachruf auf Brad Will) sowie Diskussionen um die Renaissance des Schwarzen Blocks (ACME-Kollektiv), Machoattitüden innerhalb der anarchistischen Szene (Rock-Bloc-Kollektiv), Segregationsprobleme sozialer Bewegungen (Elizabeth Martinez) und anarchistischer Ökonomie (Michael Albert). Ein allgemeiner Einführungstext zur Geschichte des Anarchismus in den USA eröffnet den Band.

Gabriel Kuhn ›Neuer Anarchismus‹ in den USA . Seattle und die Folgen . Unrast Verlag, März 2008, 304 S., 16.8 EUR, ISBN-13: 978-3-89771-474-8

4. April 2008
Soemmerda

Anarchosyndikalisten in der Weimarer Rebublik am Beispiel Sömmerda (Thüringen)

Sömmerda, eine thüringische Kleinindustriestadt (Rheinmetall) war von 1919 bis 1933 eine Hochburg der FAUD. Im März 1920 erreichte die FAUD ihren Zenit. 2100 Mitglieder bei einer Einwohnerzahl von 8000 [Die blutigen Ereignisse im März 1920 im Verlauf des Kapp-Putsches]. Ihr Widerstand gegen Rüstungsaufträge. Die Genossenschafts-Projekte von 1927 bis 1933. Rudolf Rocker, Emma Goldman und der Schriftsteller Theodor Plivier warnen 1932 in Referaten vor den Gefahren des Faschismus. Widerstandsaktivitäten im Nazi-Faschismus. Darunter 1936 illegale Spendensammlung für die CNT in Spanien.

7. März 2008

Revolution - Mythos von gestern oder Konzept für morgen?

Beiträge im Wortlaut: Revolution - Mythos von gestern oder Konzept für morgen?

Der Wunsch, sich aus bedrückenden politischen Verhältnissen zu befreien, beschäftigt die Menschen seit frühesten Zeiten bis in die Gegenwart. Aber wurde die Verheißung einer freien Gesellschaft jemals durch eine Revolution eingelöst? Anarchistische Bewegungen haben versucht den autoritären Risiken, die durch Revolutionen freigesetzt werden, entgegenzutreten - sie setzten statt dessen auf Basisorganisationen, föderale Strukturen oder etwa auf das moderne Konzept der gewaltfreien Revolution. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion soll das Für und Wider anarchistischer Revolutionskonzepte untersucht sowie eine Bilanz gezogen werden.

1. Februar 2008
Gerd Koch Zerstört Den Staat

Gerd Koch: Ein Autor blickt in sein altes Buch:
»Zerstört den Staat! Marx und Bakunin über die Pariser Kommune« (1974)

Referat im Wortlaut: Zerstört den Staat! Marx und Bakunin über die Pariser Kommune

Das sechs Jahre nach dem Aufbruch von 1968 geschriebene Büchlein über die Kommune-Interpretation von Marx und Bakunin ist Ausdruck einer Zeit, die in vielem anders gestrickt war als die Gegenwart. Das Ringen um die Aneignung sozialistischer Theorien, Konstruktionsversuche einer Aktionseinheit aus Marxismus und Anarchismus usw. waren Themen, welche die emanzipatorischen Bewegungen der 70er Jahre in Westdeutschland beschäftigten und auch für das Buch »Zerstört den Staat! Marx und Bakunin über die Pariser Kommune« relevant waren. Dessen Autor Gerd Koch blickt in sein altes Buch, erinnert sich an Kontext und Beweggründe der Publikation und läßt dabei charakteristische Merkmale jener Zeiten erkennen - und der heutigen. (Vortrag und Diskussion)

25. Januar 2008

Weltlicher Humanismus und Gewaltfreiheit

Kriegsdienste verweigern – Pazifismus aktuell. Libertäre und humanistische Positonen.
Buchvorstellung* und Diskussion
Kriegsdienste verweigern – Pazifismus aktuell

Die Buchautoren Helga Weber und Wolfgang Zucht (Kassel), Harry Hoffmann und Wolfram Beyer werden anwesend sein. Sie sind aktiv u.a. im HerausgeberInnen-Kreis der Zeitschrift Graswurzelrevolution und der Internationale der Kriegsdienstgegner/innen (IDK).

Der Humanismus formuliert Positionen in freidenkerischer Form. Er stellt den Menschen als Natur- und Sozialwesen in den Mittelpunkt. Die Würde des Menschen ist Ausgangs- und Endpunkt des Denkens und Handelns, sowie seiner Einmaligkeit und Individualität. Dieser Humanismus ist nichtreligiös und beinhaltet sowohl atheistische wie auch agnostische Auffassungen.

Im Pazifismus ist der Leitgedanke die Ablehnung von Krieg und Gewalt und die Suche nach gewaltlosen Lösungen von zwischenstaatlichen Konflikten sowie die Überwindung von kriegerischen Ursachen in der Gesellschaft.

Das Buch (Textsammlung) »Kriegsdienste verweigern - Pazifismus aktuell« will zum Handeln gegen Kriegsursachen ermutigen. In der Kritik stehen Staat und Militär, die christlichen Kirchen und andere religiöse Formen.

* Kriegsdienste verweigern – Pazifismus aktuell. Libertäre und humanistische Positionen. (Textsammlung) Herausgegeben von Wolfram Beyer im Oppo Verlag Berlin 2007, 160 S., 16,00 EUR, ISBN: 978-3-926880-16-1

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