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Rückblick auf die Veranstaltungen der Bibliothek der Freien im Jahr 2018

Der Bibliotheksraum
Freitag, 26. Januar 2018, 18:30 Uhr

Bibliothek der Freien

Vorstellung der Bibliothek

Ein Mitarbeiter gibt allen Interessierten einen Einblick in das Bibliotheksprojekt und eine Orientierung über unsere Bestände an Büchern, Zeitschriften, Archivalien usw.

Freitag, 2. Februar 2018, 19:00 Uhr

Robert Kain: Otto Weidt - Anarchist und "Gerechter unter den Völkern"

Buchvorstellung durch den Autor

Otto Weidt steht bisher vor allem wegen seiner Hilfe für verfolgte jüdische Mitbürger in der Zeit des Nationalsozialismus im Fokus der öffentlichen und historischen Betrachtung. Weniger bekannt ist dagegen ein früheres Kapitel im Leben Weidts: In der Kaiserzeit war er in der anarchistischen Arbeiterbewegung aktiv und wurde von der Politischen Polizei überwacht. Den Ideen und Idealen des Anarchismus blieb er auch in späteren Jahren verbunden. Zeitlebens war er demnach ein strikter Gegner des Militarismus, Nationalismus und staatlicher Bevormundung.
In seiner biographischen Studie nähert sich Robert Kain zunächst dem Anarchisten Weidt. Darüber hinaus werden dessen Militärdienstzeit, Ehen, Scheidungen und auch seine Erblindung um 1924 und der daraus resultierende Weg zum Bürstenmacher beleuchtet. Einen Schwerpunkt der Untersuchung stellen natürlich die Weidt'schen Hilfsaktionen für verfolgte jüdische Mitmenschen zu Beginn der 1940er Jahre dar. Hierbei bewegte sich Weidt in einem weit verzweigten Hilfsnetzwerk für NS-Verfolgte.
(Buchvorstellung durch den Autor, mit Diskussion)

Robert Kain: Otto Weidt. Anarchist und "Gerechter unter den Völkern". Lukas Verlag, Berlin 2017. ISBN 978-3-86732-271-3. Ausgezeichnet von der Bibliothek der Freien als Buch des Jahres 2017.

Freitag, 23. Februar 2018, 19:00 Uhr

Anarchismus und Russische Revolution

Vorstellung einer Neuerscheinung

Der 2017 von Philippe Kellermann herausgegebene Sammelband "Anarchismus und Russische Revolution" hat zwei thematische Schwerpunkte: die Rolle der russischen anarchistischen Bewegung vor, während und nach der Revolution, und zum anderen die Reaktionen von Libertären in anderen Ländern (u.a. in Italien, der Schweiz, in Frankreich und Deutschland) auf die revolutionären Ereignisse in Russland. Exemplarisch werden die Wirrnisse von Fritz Brupbacher und Erich Mühsam herausgearbeitet, die sich erst spät vom "Roten Oktoberhimmel" befreiten, während zum Beispiel Errico Malatesta und Rudolf Rocker relativ schnell Lenins Manipulation der Forderung "Alle Macht den Räten" erkannten. Das Buch bietet eine spannende Lektüre, aus historischer und aktueller Sicht, und kann vermitteln, wie eine Revolution nicht gemacht wird.
(Buchvorstellung mit Diskussion)

Anarchismus und Russische Revolution. Hrsg. von Philippe Kellermann. Karl Dietz Verlag, Berlin 2017. ISBN: 978-3-320-02328-7. Ausgezeichnet von der Bibliothek der Freien als Buch des Jahres 2017.

Der Bibliotheksraum
Freitag, 2. März 2018, 18:30 Uhr

Bibliothek der Freien

Vorstellung der Bibliothek

Ein Mitarbeiter gibt allen Interessierten einen Einblick in das Bibliotheksprojekt und eine Orientierung über unsere Bestände an Büchern, Zeitschriften, Archivalien usw.

Workshop am Samstag, 17. März 2018

Das Gehirn, die Gesellschaft und die Freiheit

Libertäre Perspektiven auf die Gehirnforschung

Wie frei kann der Mensch, wie frei kann die Gesellschaft sein? Fragen, die nicht nur den Anarchismus umtreiben, sondern auch die Wissenschaften des 21. Jahrhunderts. Die Gehirnforschung untersucht unter anderem mit bildgebenden Verfahren und theoretischen Arbeiten den Zusammenhang von Denken, Fühlen und Wollen mit der Organisation von Nervenzellen und ihrer elektrochemischen Verschaltung im Gesamtgefüge des Körpers. Damit konfrontiert sie gesellschaftliche Konventionen wie den "freien Willen" und die "Verantwortung des/r Einzelnen". Auch für Libertäre stellt sich die Frage nach der wissenschaftlichen Untermauerung ihrer Ziele von Befreiung und herrschaftsloser Gesellschaft. Im Workshop sollen einige Ergebnisse der aktuellen Forschung und der Philosophie des Geistes ("Philosophy of Mind") vorgestellt und unter anarchistischen Gesichtspunkten diskutiert werden.

Bereits ausgebucht - Anmeldung zur Warteliste möglich per E-Mail an workshop@bibliothekderfreien.de

Freitag, 13. April 2018, 19:00 Uhr

Gerhard Bauer: Der Expressionist Ernst Toller und seine anarchistischen Facetten

Referat im Wortlaut: Ernst Toller: wie tauglich zum Anarchisten?

Ernst Toller (1893-1939) war von Beginn an in guten Händen: Mit Gustav Landauer hat er korrespondiert, Kurt Eisner ist er nach München gefolgt. Die Münchner Räterepublik hatte keine Zeit für geduldigen Anarchismus, doch in fünf Jahren strenger Festungshaft konnte er ergründen, woran es der Räterepublik gefehlt hatte, an Selbstkritik der Revolutionäre, kritischer Prüfung jedes Schritts der Revolution. Als er endlich freigelassen wurde, war in Deutschland die Zeit für den Anarchismus abgelaufen. Seine Aufrufe und Aufrüttelungen brachten sie auch nicht wieder zurück, daran ist er, als noch das Exil dazukam, zerbrochen. Sein höchst eigenwilliges anarchistisches Programm "Freiheit - Friede - Glück - Verantwortung - Schönheit" ist dennoch der Beachtung wert.
(Vortrag mit Diskussion)

Der Bibliotheksraum
Freitag, 4. Mai 2018, 18:30 Uhr

Bibliothek der Freien

Vorstellung der Bibliothek

Ein Mitarbeiter gibt allen Interessierten einen Einblick in das Bibliotheksprojekt und eine Orientierung über unsere Bestände an Büchern, Zeitschriften, Archivalien usw.

Freitag, 18. Mai 2018, 19:00 Uhr

Für eine libertäre Perspektiv-Diskussion

Weder der Turbo-Digital-Kapitalismus noch die kommunistische Diktatur über das Proletariat können heute eine Zukunftsvision sein, humane Utopien als Inspirationsquelle für politisches Handeln sind ohnehin rar, das kurdische Selbstverwaltungs-Projekt in Rojava ist militärisch und geostrategisch in Bedrängnis, Rechtspopulisten in den USA und Europa sind auf dem Vormarsch - kein Wunder, dass sich in der Linken Orientierungs- und Ratlosigkeit breitmacht.
Dabei gibt es anarchistische Zukunftsentwürfe, die eine nähere Betrachtung wert sind und einen radikalen Umbau unserer politischen und ökonomischen Verhältnisse mit einem emanzipatorischen Gesellschaftskonzept verbinden. Im Rahmen der Veranstaltung sollen zukunftsträchtige Diskussionsbeträge von Murray Bookchin, André Gorz und Carlos Taibo vorgestellt werden, die neue libertäre Perspektiven eröffnen können.
(Vortrag mit Diskussion)

Freitag, 25. Mai 2018, 19:00 Uhr

Thomas Weiß: Parecon - Das Konzept einer herrschaftsfreien Wirtschaft von Michael Albert

Viele kritisieren den Kapitalismus, aber wie könnte eine Alternative aussehen? Der kanadische Anarchist Michael Albert hat mit Parecon ("participatory economy", dt. partizipatorische Ökonomie) einen Entwurf verfasst und teilweise schon in die Praxis umgesetzt, wie herrschaftsfreies Wirtschaften aussehen könnte. Wer produziert wieviel und wie lange? Wer bestimmt über unseren Konsum? Ökologisches Wirtschaften, kann das funktionieren? Was passiert bei Interessenkonflikten? Wie geht Parecon vor, um die Wirtschaft "von unten", demokratisch, über Räte- oder genossenschaftliche Strukturen, über Debatten und Verhandlungen herrschaftsfrei zu organisieren?
(Vortrag mit Diskussion)

Freitag, 22. Juni 2018, 19:00 Uhr

Marie Lührs: Milly Witkop-Rocker und Emma Goldman

Eine feministisch-jüdische "Wahlverwandtschaft"?

In den Biografien von Goldman und Witkop-Rocker lassen sich auf den ersten Blick viele Verbindungen finden: Beide stammten aus jüdischen Communities in Osteuropa, machten die Erfahrung früher (selbständiger) Migration und waren in jungen Jahren bereits zu Lohnarbeit gezwungen. Zudem waren sie internationalistisch, feministisch und vor allem anarchistisch. Inspiriert von Studien zu Gustav Landauer und Erich Mühsam, sollen die Ergebnisse vergleichender biographischer Forschung im Fall von Goldman und Witkop-Rocker vorgestellt werden.
(Vortrag mit Diskussion)

Freitag, 7. September 2018, 19:00 Uhr

“Wenn Du die Freiheit erkämpfen willst, mußt Du auch gefaßt sein, Dich dafür töten zu lassen.”

Berthold Cahn (1871-1938) - ein Leben für den Anarchismus

Cahn gehörte zu den beliebtesten Rednern bei anarchistischen Gruppen und Saalveranstaltungen in Berlin. Er war ein erbitterter Gegner des Krieges und des aufkommenden Nationalsozialismus und stand mit Emma Goldman und Rudolf Rocker auf der Rednertribüne - doch heute ist er kaum mehr dem Namen nach bekannt. Für seine anarchistische Bildungsarbeit musste Cahn lange Zeiten von Arbeitslosigkeit und zahlreiche Haftstrafen in Kauf nehmen, zeitweise lebte er am Existenzminimum. Er referierte für die FAUD, für die "Föderation kommunistischer Anarchisten" oder die "Anarchistische Vereinigung" um Erich Mühsam und wurde wie kaum ein anderer von allen Strömungen geschätzt. Höchste Zeit also für eine Wiederentdeckung - und für einen Stolperstein, denn Cahn wurde im Zuge der Pogromnacht am 9. November 1938 im Konzentrationslager von den Nationalsozialisten ermordet.
(Vortrag mit Diskussion)

Eine Gemeinschaftsveranstaltung mit der Gustav Landauer Denkmalinitiative. Vier Tage vor der Veranstaltung: Verlegung des Stolpersteins für Berthold Cahn durch den Kölner Künstler Gunter Demnig am Montag, 3. September 2018, um 11.30 Uhr an der Ecke Wadzekstraße / Alex-Wedding-Straße (nahe Alexanderplatz).

Freitag, 14. September 2018, 19:00 Uhr

Nick Brauns: Öcalans 'Demokratischer Konföderalismus' - ein kurdischer Anarchismus?

An dem Ziel, eine freie Gesellschaft zu schaffen, sind sowohl der Realsozialismus als auch nationale Befreiungsbewegungen gescheitert. Vor diesem Hintergrund hat die einstmals marxistisch-leninistisch geprägte kurdische Freiheitsbewegung einen radikalen Wandel vollzogen: Statt der Errichtung eines sozialistischen Nationalstaates wird heute eine auf Rätestrukturen beruhende Selbstverwaltung angestrebt, die auf den Aufbau einer basisorientierten, ökologischen und geschlechterbefreiten Gesellschaft abzielt.
Der inhaftierte Vordenker der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Abdullah Öcalan ließ sich bei der Entwicklung des 'Demokratischen Konföderalismus' vor allem von den Konzepten des US-amerikanischen Anarchisten Murray Bookchin leiten, der klassische libertäre Ideen mit modernen Ansätzen eines ökologischen Kommunalismus verbunden hat. Diese Bezugnahme hat die Frage nach der anarchistischen Dimension des 'Demokratischen Konföderalismus' aufgeworfen. Der Referent Nick Brauns ist Historiker und Mitautor des Buches "PKK - Perspektiven des kurdischen Freiheitskampfes". Neben theoretischen Aspekten des 'Demokratischen Konföderalismus' wird er beleuchten, wie im Windschatten von Krieg und Bürgerkrieg in Nordsyrien (Rojava) versucht wird, diese Ideen in die Praxis umzusetzen.
(Vortrag mit Diskussion)

Freitag, 21. September 2018, 19:00 Uhr

Olaf Briese: Mit Männerkleidern und Zigarre. Die Anarchafeministin Louise Aston (1814-1871)

Louise Aston war eine frühe Berliner Anarchistin. Auf dem Höhepunkt ihres Wirkens (ca. 1845-1850) war der Anarchismus zwar als Begriff für eine politische Strömung noch unbekannt, dennoch kann sie gleich in zweifacher Hinsicht dem anarchoiden Spektrum zugerechnet werden: zum einen inhaltlich - in Romanen und einer libertären Programmschrift lehnte sie die Institution Ehe scharf ab, trat für Frauenemanzipation und Atheismus ein - zum andern praktisch: sie nahm Zigarre rauchend und in Männerkleidern an den Happenings der Berliner "Freien" teil und wurde deshalb 1846 von der Polizei aus Berlin ausgewiesen. Der Vortrag stellt Leben und Werk dieser ungewöhnlichen Frau vor und weitet in einem Ausblick die Perspektive auf andere Vertreterinnen des Anarchafeminismus wie Louise Michel und Emma Goldman.
(Vortrag mit Diskussion)

Freitag, 5. Oktober 2018, 19:00 Uhr

Rolf Cantzen und Bodo Dringenberg: Jaroslav Hašek - Anarchist, Biertrinker und Schriftsteller

Vorstellung einer Neuerscheinung durch die Autoren

Der Roman "Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk" gehört zur Weltliteratur - sein Schöpfer, der tschechische Schriftsteller Jaroslav Hašek (1883-1923), ist dagegen kaum bekannt. Er war zeitweise Anarchist, politischer Agitator und Gründer der "Partei für den gemäßigten Fortschritt im Rahmen des Gesetzes", einer burlesken Protest-Partei, die wesentliche Elemente des Polit-Happenings vorwegnahm. Hašek schrieb zahllose Satiren und Kurzgeschichten und betrieb ein "kynologisches Institut": erfundene Hunderassen mit fiktivem Stammbaum und gefärbtem Fell führten sowohl Zoologen wie wohlhabende Käufer aufs Glatteis. Im Ersten Weltkrieg wechselte er mehrmals das Lager und wurde zweimal zum Tode verurteilt - zurück in Prag schrieb er schließlich desillusioniert seinen "Schwejk". Die von ihm beschriebene Großmäuligkeit der Herrschenden und ihre verkorksten Versuche ideologischer Sinnstiftung kennen wir bis heute - Hašek zerlegte sie höchst unterhaltsam und mit literarischer Souveränität, selbst dann, wenn die Verhältnisse ihn auszulöschen drohten.
(Buchvorstellung mit Diskussion)

Rolf Cantzen und Bodo Dringenberg: Biere, Tiere, Anarchie. Jaroslav Hašek - mehr als Schwejk. Launenweber Verlag, Köln 2018, 173 S., 22 EUR, ISBN 978-3-9817920-9-6

Der Bibliotheksraum
Freitag, 12. Oktober 2018, 18:30 Uhr

Bibliothek der Freien

Vorstellung der Bibliothek

Ein Mitarbeiter gibt allen Interessierten einen Einblick in das Bibliotheksprojekt und eine Orientierung über unsere Bestände an Büchern, Zeitschriften, Archivalien usw.

 

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